Wie Kölner und Düsseldorfer II

Bevor mich noch jemand fragt: Nein, ich gehe nicht mit beim 3. Kölner Galgo-Marsch. Das ist nicht meine Welt – ich hab sie mir angesehen.

Einer Freundin zuliebe bin ich nämlich letztes Jahr schon mitgelaufen – und fand es schrecklich. Zunächst mal war der Marsch schlecht organisiert: Eine Demo an einem Sonntag in einer Fußgängerzone ist sehr begrenzt publikumswirksam  🙄. Von den wenigen Passanten hat zudem keiner verstanden, worum es ging, weil es keine verständlichen Transparente, Megafon-Parolen oder Flyer gab.  Vielleicht war das aber auch besser so, denn die Botschaft dieses Gettogethers der Galgo-Tierschutz-Szene ist einfach keine, die ich unterstützen möchte.

Keine Frage: Es gibt noch viel Elend, das Podencos wie Galgos in Spanien erleiden müssen, und sie werden sicher noch lange Zeit die Hilfe engagierter Menschen vor Ort und auch unsere aus Deutschland brauchen, bis sich die Einstellung der riesigen spanischen Jägerschaft und die Haltungsbedingungen ihrer Hunde flächendeckend(!) verbessert haben. Da zumindest sind wir uns grob einig. Aber ich sehe keine Alternative zu diesem langen beschwerlichen Weg. Die radikale Lösung, wie sie auf den Märschen propagiert wird, nämlich die Jagd mit Hunden komplett zu verbieten („No a la Caza!„) und damit Galgos oder Podencos ihre Daseinsberechtigung zu entziehen und sie als Rasse mit Aufgabe (im Gegensatz zum Show-Hund, als der sie in Nordeuropa immer beliebter werden) zu eliminieren, ist nicht meine. Das hieße doch, das Kind mit dem Bade auszuschütten! Wenn sie überhaupt funktionieren würde, denn die Tierquäler unter den Jägern haben sich ja schon bis dato nicht an bestehende Gesetze gehalten, warum sollten sie es dann wohl..? 🙄

Für dieselbe ehemalige Freundin habe ich letztes Jahr außerdem mal versucht, gute Argumente dafür zu finden, warum die deutsche Galgo- und die Podi-Tierschutz-Lobby unbedingt enger zusammenarbeiten sollten. Was hab ich mich gequält damit,  wohl weil ich damals bereits ahnte: Düsseldorfer und Kölner passen nicht zusammen. Also die Menschen und ihr Weltbild noch weniger als die Hunde 😎

Und so fühlte es sich an wie ein Befreiungsschlag, als neulich eine Galgo-Aktivistin auf Facebook freimütig zugab, dass viele von ihnen „Podihalterinnen einfach nicht mögen.“ 😳 

Juchhuu, endlich isses raus   ! Endlich darf auch ich offen aussprechen, was ich schon oft gedacht habe: Ihr nervt, Ihr typischen Tierschutz-Galgo-Tussis! 👿  Immer ein bisschen zu unpassend gekleidet für den Hundeplatz, immer ein bisschen zu hysterisch besorgt um Eure armen Schätze, aber oft überfordert und wundersam ignorant gegenüber deren Mobbing-Neigung. Immer ein Tränchen zuviel im verklärten Auge angesichts des furchtbaren (und manchmal furchtbar überinterpretierten) Schicksals so vieler Galgos, aber gleichzeitig eine feurige Lynchparole für alle Galgueros auf den Lippen 🙄 👿  

  • Da werden natürliche Nasendeformationen voreilig als mutwillige Verstümmelung deklariert und theatralisch kommentiert („was hat er bloß getan, dass man ihn so grausam straft?“), und stellt man das richtig, heißt es lapidar: „Ist doch egal, was die Ursache ist. Der Jäger ist so oder so ein Arschloch.“
  • Da wird ein 7jähriger Hund mit schwerster Verletzung des Vorderlaufs von seinem Jäger zum Einschläfern gebracht, und man unterstellt ihm einfach mal, dass dies geschah, „weil der Hund für ihn wertlos geworden ist“.  Nun – dieser Jäger hat ihn aber nicht einfach im Campo erschlagen oder krepieren lassen; der Hund war ihm zumindest die Fahrt zum Tierarzt und die Euthanasie wert, oder nicht? Und ganz vielleicht wäre das Einschläfern sogar eine moralisch vertretbare Variante gewesen..? Ein Leben ohne Vorderbein ist für einen großen, schweren, beinahe alten Hund nämlich sicher kein leichtes! Aber mit solchen Überlegungen wird man schnell als herzloser Verräter der guten Sache beschimpft.
  • Da empören sich die Empathie-Protze der Galgoszene über ein Video, in dem ein Jäger einen wohlgenährten, nicht erkennbar verstörten Galgo in einem Tierheim abgibt, ohne ihm einen Abschiedskuss auf die Stirn zu geben *ironieaus*. Merkt man an, dass auf den Bildern ja gar keine Tierquälerei oder auch nur deren Folgen zu erkennen sind, und die Abgabe doch gewünscht und immerhin besser ist, als hätte er ihn ausgesetzt oder aufgehängt, und womöglich sogar der erste Ansatzpunkt, mit dem Jäger ins Gespräch zu kommen, heißt es wieder nur:  „Jäger sind eh alle Arschlöcher“.

    Mallorquiner mit seinem Podenco in einer Bar

    Sieht so ein Arschloch aus? Dieser alte Jäger besucht mit seinem alten Podenco abends eine Bar auf Mallorca, sie teilen ihr Leben miteinander, bis zum Ende. Vielleicht ist dieser Mann noch die Ausnahme. Aber es werden mehr, und das vielleicht auch, weil es Tierschutzaktivisten gibt, die daran glauben, dass miteinander reden und zusammenarbeiten immer besser ist als Pauschalverurteilungen und Verbote.

Hach, Vorurteile und Klischees sind schon was Feines. Bringen sie doch Ordnung ins Leben, weil man immer sofort weiß,  was man von einem Fremden halten muss und in welche Schublade des eigenen Weltbildes er passt.  Auf diese Weise muss man sich gar nicht erst mit Einzelnen beschäftigen und sich womöglich eine differenziertere Meinung bilden. Bequeme Sache, das.  Solange die spanischen Jäger also pauschal Arschlöcher für sie bleiben, bleiben die Galgo-Aktivistinnen für mich pauschal   … Düsseldorfer Tussis 😎

Blöd nur, dass sich mit solchen Mauern im Kopf wenig zum Besseren ändern kann, egal wie lange man marschiert 😥

 

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P.S.
In diesem Zusammenhang ist übrigens auch die Geschichte meines Pflegepodencos JULIUS aufschlussreich.

P.P.S.
Es gibt ca. 1,5 Millionen Jäger in Spanien- die können kaum alle herzlose Tierquäler sein, und ich weiß zumindest aus der Podenco-Szene ganz sicher, dass sie das auch nicht sind. Wenn nur 5 oder 10% dieser 1,5 Millionen halbwegs gute Tierhalter in unserem Sinne sind und zugänglich wären für unsere Themen, dann sind das absolut immer noch verdammt viele. Zu viele,  um sie einfach zu übergehen und als Kollateralschaden mit zu beseitigen, und genug, um mit ihnen zusammen etwas in der Masse zu bewegen … man muss das nur wollen.

Ich verstehe sogar, dass es Extrempositionen braucht, um Bewusstsein für Missstände zu schaffen und Veränderung überhaupt erst anzustoßen. Aber sie selbst ernsthaft vertreten, das kann ich nicht. Weil Extremstandpunkte auf andere Weise blind machen (wie man hier gut sieht), in einer Demokratie nie konsensfähig sind und sowieso nicht optimal sein können, ob bei der Ernährung, in der Kinder- oder Hundeerziehung, im Naturschutz oder in der Wirtschaft. Sie sind mir zu extrem 😉 , einseitig, realitätsfern, zu aggressiv, grundsätzlich unsympathisch und enden oft in einer grotesken sektenartigen Vernageltheit, die an „des Kaisers neue Kleider“ erinnert.

Ich war immer schon eher moderat und habe versucht, berechtigte(!) Interessen zu verstehen und abzuwägen und lieber zu überzeugen als zu verbieten und zu vernichten. Deshalb konzentriere ich mich auch künftig lieber auf die Veränderung im Kleinen …

Vermutlich braucht es ironischerweise aber beides, damit am Ende alles halbwegs gut wird: Die Radikalen und die, die sie korrigieren, wo sie übers Ziel hinausschießen 

 

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