Podi ist der neue Labbi

Der Podenco darf kein Modehund werden!

Das lese ich oft auf Facebook und bin erstaunt. Ist er das nicht längst?

Vielleicht nicht im äußersten Zipfel von Meckpomm, aber in den Ballungsgebieten der Republik und im Einzugsbereich von WDRs „Tiere suchen ein Zuhause“ ist er es ganz sicher 😎 . Auf der beliebten Gassistrecke am Niehler Hafen in Köln begegnet man schon seit Jahren regelmäßig mehr Langnasen-Mixen als Labradoren oder Terriern; dort fragt schon lange kein Kind mehr, ob das dünne Tier mit den großen Ohren eine Ziege sei.


Auf Facebook gibt es inzwischen mehr Podenco-Fan-Gruppen als jedes Jahr Mode-Möpse in Deutschland geboren werden, habe ich das Gefühl. Und der allgegenwärtige Labbi namens Paul oder Emma 😉 ?  Der liegt mit 2.500 Welpen pro Jahr auf Platz 4 der Inlandsproduktionsstatistik von Rassewelpen  – die Zahl der importierten Tütenohr-Mixe pro Jahr dürfte nicht sehr weit davon entfernt sein; der wachsende Output der frisch berufenen Podenco-Züchter im eigenen Land nicht berücksichtigt … Angesichts dessen lässt sich das mit dem Modetrend nicht mehr ernsthaft abstreiten, oder?

Aber was ist eigentlich so schlimm am Modehund Podenco? Gar nicht so viel, finde ich!  Es gibt wahrlich Schlimmeres als eine Welt voller sanftmütiger, wunderschöner und durchweg gesund gewachsener Hunde. Und selbst der sachverstandfreieste Hundehalter hat bei einem Podenco ein einfaches und effektives Mittel gegen den lästigen Jagdtrieb zur Hand: die Leine! Das sieht bei Rassen mit anderen Neigungen wie z.B. Schutztrieb schon mal komplizierter aus.

Nicht falsch verstehen – natürlich bin ich immer noch gegen die Podenco-Zucht hierzulande (und gegen sachverstandfreie Podi-Halter auch 😎 ). Aus den schon einmal an anderer Stelle genannten Gründen. Und weil die Gefahr, dass Menschen mit falschen Erwartungen und falscher Motivation sie in die Finger bekommen, mit jedem Züchter größer wird.

Und das ist bei Tierschutz-Podencos nicht so?  Ich denke nicht.  Tierschutz-Podis haben einiges zum Positiven bewegt in Sachen Hundehaltung in Deutschland, das glaube ich ernsthaft. Um das mal einmal klar zu sagen gerade in Richtung derjenigen, die gerne mal Auslands-TSVs für ihre vermeintlich mangelhafte Vermittlungskompetenz und Scheißegal-Haltung bashen: Die zahlreichen seriösen Tierschutzorganisationen, die ich kenne, vermitteln ihre Podencos sehr gewissenhaft (manchmal sogar zu gewissenhaft 😎 ). Da  müssen nicht nur die zeitlichen (Hund darf auf keinen Fall mehr als 4 Std. allein zu Haus sein) und räumlichen (sicher eingezäunter Garten) Rahmenbedingungen stimmen, auch die Einstellung zu Hundesicherung und Jagdtrieb, Ernährung, Ausbildung und Auslastung des Hundes wird akribisch überprüft und geschult. Die kritische Anfangsphase (insbesondere, wenn der Hund direkt aus dem Ausland in die Familie kommt) wird intensiv mit Rat und Tat begleitet, bei Fragen ist man immer ansprechbar, und natürlich wird der Hund im Ernstfall auch zurückgenommen. Zeigt mir den Züchter irgendeiner Rasse, der das zu leisten bereit ist!

Ein guter Podenco-Halter muss beweglicher sein als andere, das ist seit Jahren mein Credo.  Nicht unbedingt physisch – so schnell laufen wie ein Podi wird er eh nie.  Aber im Kopf muss er beweglich sein, um die Signale seines Hundes schnell und richtig zu lesen.  Und am besten auch mit dem Auto. Meine Podenco-Adoptanten räumen ihrem Hund einen höheren Stellenwert in ihrem Leben ein als es dem verbreiteten Status-Labrador in aller Regel zugestanden wird, weil der sich nahtlos in das Bilderbuchleben mit zwei Kindern, Reihenhaus und Audi Variant einfügen muss.  Sie setzen sich intensiv mit ihren meist mehreren  😉 Podencos und deren Bedürfnissen auseinander und fahren oft auch weite Strecken, um ihnen gefahrlosen Freilauf und anderen Spaß zu ermöglichen.  Und sie  – genauso wie natürlich die Halter anderer jagdtriebiger Moderassen wie bspw. Galgos – ergreifen selbst die Initiative, wo die Kommunen scheitern im Einrichten von sicheren Freilaufflächen etc.

Und weil sie so bewusst mit ihrer Verantwortung umgehen, lassen sie wahrscheinlich auch kein Kothäufchen liegen 😉  und haben einen besonders großen Missionierungsdrang gegenüber ignoranten Tutnix-Haltern 😎 . Inzwischen gibt es in Köln sicher kein Herr- oder Frauchen eines distanzlosen Labbis mehr, das nicht schon in den Genuss einer Nachhilfelektion in Sachen Hundehalter-Etikette durch einen Südhundefreund mit mind. 3 Leinen in der Hand gekommen wäre 😀   Und wenn auf diese Art  aus einer ehemals kleinen Gruppe mit der Zeit immer mehr sachverständige und rücksichtsvolle Hundehalter, die vielleicht sogar irgendwann mal vom Labbi auf den Podi umschwenken, werden, habe ich jedenfalls nix dagegen … Ausrangierte Podencos aus Spanien, die dort keine Chance auf Vermittlung haben, wird es vermutlich auch für die Neuen noch genug geben :-/

 

 

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3 Gedanken zu “Podi ist der neue Labbi

  1. Ich denke es gibt für alle Hundrassen die passenden Menschen. Aber der Podi braucht ganz besondere Menschen und sehr viel Aufmerksamkeit. So nebenbei läuft der nicht neben Familie und Kindern mit, man muß sich schon mit ihm beschäftigen und auch Zeit und Geduld in seine Erziehung investieren. Klar, eigentlich sollte man das jedem Hund zugestehen, aber der Podi verlangt eben ein wenig mehr.
    Bei uns in Bayern sehe ich übrigens sehr wenig Podencos oder auch Galgos, die Hochburg liegt wohl in NRW, denn dort sind sehr viele Orgas beheimatet, die sich um spanische Hunde bemühen.
    LG Sabine

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