Podencos des Nordens

Die eigenen Hunde zurückzulassen, um mit fremden Vierbeinern den Urlaub zu verbringen, ist schon eine sonderbare Idee. Es geht aber nicht anders, wenn man sich diesen einen lang gehegten Traum erfüllen will – einmal auf große Fahrt zu gehen mit den Hunden des Nordens!

Endlich habe ich es für mich wahr gemacht, und es war tatsächlich ein Traum: die schneeversunkene Landschaft Lapplands, das Wetter zum Glück auch,  sogar das Essen

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Kjötbollur at their best: Elchfleisch aus eigener Jagd, Preißelbeeren und Pilze aus dem eigenen Wald und Kartoffeln aus eigenem Anbau der Huskyfarmer … nur die Gurken sind wohl importiert.

und natürlich ganz besonders die Hunde. Was ich über Huskies vermutete, fand ich bestätigt: Sie sind den Podencos in ihrer Geselligkeit und Sanftheit zu Hause und zum Menschen ebenso ähnlich wie in ihrem Bewegungsdrang und Arbeitseifer draußen, in dem sie nur schwerlich ansprech- und kontrollierbar sind 😉

Ach ja, das Fahren mit dem Hundeschlitten war natürlich auch fantastisch!

Das heißt, zumindest so lange, bis eine enge Kurve oder ein anderes Hindernis auf mein Gespann wartete 😎

Im Grunde ist es ganz einfach: „Steh auf dem Schlitten und guck auf die Hunde“ ist alles, was man beachten muss – zumindest, wenn man Tord, unserem schwedischen Tour Guide und Rüdiger Nehberg light glaubt. Für Anfänger fühlt es sich allerdings die meiste Zeit komplizierter an.

Die Probleme fangen an, lange bevor es überhaupt losgeht – nämlich schon beim Stehenbleiben. Huskies sind offenbar immer auf dem Gas. Und Gas heißt Vollgas. Meine Podencos haben an der Leine irgendwann mal gelernt (naja, die meisten wenigstens), ihre Kräfte zu dosieren und auf Kommandos wie „langsam“ tatsächlich einen Gang runterzuschalten – diese Hunde nicht. Da hilft nur bremsen, und zwar mit aller Kraft und allen beschränkten Möglichkeiten, und das eigentlich meistens und ganz besonders beim Start.

Einer romantischen Nacht in einer auf einer Anhöhe gelegenen, malerisch von Birken umrahmten Berghütte

folgt unweigerlich ein jähes Erwachen bei dem Versuch, mit sechs ausgeschlafenen Huskies und einem sperrigen Holzschlitten auf kurviger, vereister Strecke bergab nicht zu kentern. Uaaargh!

Manchmal bremsen jedoch sogar diese Hunde freiwillig. Kaum liegen nämlich der euphorische Start und die ersten paar Hundert Meter hinter den Hunden, fordert der Stoffwechsel seinen Tribut, und einer nach dem anderen stoppt aus vollem Lauf, pinkelt oder kackt, natürlich nicht immer auf dem Trail, sondern gerne auch mal ein Stückchen weiter links, weil da vielleicht ein Busch ist. Die Folge: Leinenchaos total und die Königsdisziplin des Bremsens – das Ankern auf offener Strecke!

Hilft über Nacht noch ein Tau um einen Baum, den Schlitten zuverlässig zu sichern, stehen jetzt nur ein Metallanker und der auf die Seite gelegte Schlitten zur Verfügung, um die Hunde an der Weiterfahrt zu hindern, während man den Schlitten verlassen muss, um mühsam durch den Schnee zu ihnen nach vorne zu stapfen und sie neu zu sortieren. Und wehe der Anker hält nicht … ein unkontrollierter Hundeschlitten ist nicht nur Pech für den Hundeführer, sondern auch eine große Gefahr für die Hunde selbst! Ich war schon allein aus Angst davor jedes Mal nassgeschwitzt …

A propos schwitzen … Hundeschlittenfahren ist tatsächlich Sport!  Nach den ersten Tagen taten mir jedenfalls eine Menge lang verborgener Muskelgruppen weh: Allen voran der Gluteus Maximus vom „Mushen“ (bergan schieben), der Standbein-Oberschenkel  (das andere Bein stand ja fast immer auf der Bremse, vor allem bergab), und Schultern und Oberarme vom Stabilisieren und Ausbalancieren des Schlittens (am Hang muss man oft auf einer Kufe „segeln“, damit der Schlitten nicht kippt). Schlittenfahren erinnert aber nicht nur ans Roller oder Quad fahren, Snowboarden und Segeln, sondern auch ans Lkw  fahren 😯 Dummerweise ist den sonst so cleveren Leithunden nur schwer begreiflich zu machen, dass man bei langem Radstand Kurven nicht ganz so knapp nehmen sollte, weil sonst der Zugführer am Gespannende eventuell in die Borke beißt …. dagegen hilft nur hart bremsen, absteigen und den Schlitten mit aller Kraft aus der Kurve rauspushen. Ist mir nicht immer gelungen 😎

Überhaupt muss man in jeder Sekunde konzentriert sein. Schneebedeckte Bergtrails sind eben kein Asphalt und Hunde keine Maschinen – die Bodenbeschaffenheit kann sich von Meter zu Meter ändern, mal ist es eisig und glatt, mal brechen die Hunde plötzlich ein, mal rutscht einer aus oder muss unbedingt im Vorbeifahren einen Lemming schnappen und verschlingen…

Aber natürlich, wenn’s mal läuft, ist es ein unglaublich erhabenes Gefühl! Ein Gefühl, das jede Reise wert ist, ganz so wie dieses wunderschöne Land selbst. Ich komme bestimmt wieder!

 

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