To live or not to live

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Hatte ich nicht gerade noch gezweifelt, wie lebenswert Omars perspektivloses Restleben im Podencoknast von Mallorca ist?  Nur wenige Tage danach musste ich genau diesen Standpunkt wieder in Frage stellen – als nämlich eine vermeintliche Hundeexpertin unseren allerersten wirklich „schwierigen“ Podenco nach nur zwei Wochen einschläfern wollte;  sie hatte ihn zu sich genommen wohl in der Annahme, ihn blitzschnell von seinen gelegentlichen „Wutausbrüchen“ gegen andere Hunde, aber manchmal eben auch gegen Menschen (z.B. wenn man ihn in einer Stresssituation am Halsband ins Haus zerren will) heilen zu können; das gelang aber so schnell nicht, und nach einem kleineren Beißvorfall sollte er nun sterben.  Seine vorherigen Besitzer hatten wenigstens noch ein Dreivierteljahr darum gekämpft, ein harmonisches Team mit den anderen Podencos und den Katzen zu werden und beim Abschied viele Tränen vergossen. Und nun – ein hoffnungsloser Fall? Wer soll einen so atypischen Podenco denn noch bei sich aufnehmen, der für die gewöhnliche Podenco-Rudel- und Betthaltung 😉 womöglich komplett ungeeignet ist? Dann lieber einschläfern, bevor er zum Wanderpokal wird?

Ich konnte es jedenfalls nicht – und habe nun wieder mal einen Freund weniger in der Facebook- und Tierschutz-Welt :-/ Einschläfern ist eine verdammt endgültige Lösung, und wer bin ich, mir anzumaßen zu entscheiden, wie wenig Hoffnung auf ein Happy End (für den Hund und damit für den Verein) bestehen muss und wie vermutlich lang die Durststrecke dahin, damit ich ein Leben als nicht mehr zumutbar (für den Hund oder für den Verein?) vernichte? Um jeden kranken Hund kämpfen wir, solange die Finanzen reichen und ein noch so kleines Fünkchen Hoffnung besteht, ihn wieder in einen lebenswerten Zustand zu versetzen, unabhängig von seinen Vermittlungschancen, die mit Krankheit ja auch nicht steigen. Dann müssen wir das doch auch bei einem „verhaltenskranken“ Hund? Vielleicht ist er ja auch gar nicht krank, bloß weil er nicht ist wie andere Podencos? Vielleicht wird ein anderer in einer ganz anderen Konstellation glücklich mit ihm, und umgekehrt?

Wir sagen immer, wie gut es ist – im Vergleich zu unseren menschlichen Angehörigen zum Beispiel -, den Leidensweg unserer Hunde beenden zu können, wenn wir es für richtig halten. In vielen Fällen spüren wir ja auch, wenn der eigene Hund keinen Lebensmut mehr hat oder einfach nicht mehr kann. Aber diese Macht ist auch eine große Verantwortung! Besagte Trainerin hatte mir nur einen Tag zuvor erzählt, dass sie ihre eigene 12jährige Hündin gehen ließ, weil sie die wirklich sehr steilen Treppen im neuen, also von ihr selbst ausgewählten, Haus nicht laufen konnte 😯  Ist das wirklich ein legitimer Grund, ein fremdes Leben zu beenden?  Für mich nicht, und ein Grund mehr, warum ich an ihrer Empfehlung zweifelte (neben dem Gespräch mit anderen Menschen, die den Hund kannten). Und ein physisch gesundes Lebewesen zu töten, weil es nach unserer menschlichen Einschätzung eine zu kleine Aussicht auf „Glück“ hat, ist eine noch viel diffizilere Entscheidung. Besonders plakativ wird das Thema, wenn man an die sich stapelnden SoKas in den spanischen Tötungsstationen oder von mir aus auch deutschen Tierheimen denkt. Sie haben wirklich so gut wie keine Vermittlungschance, schon gar nicht in ihrer großen Zahl, und ein ganzes Hundeleben im Tierheim … ? Wer soll in diesem Stress ein lebenswertes Leben leben, und wer kann das finanzieren?

Ich habe noch immer keine Antwort auf all diese Fragen. Ich weiß nur, dass ich sehr vorsichtig bin, sie mit solcher Endgültigkeit zu beantworten.

Und wie seht Ihr das?
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8 Gedanken zu “To live or not to live

  1. Erst einmal sollte es immer heißen… to live 🙂 Er ist nun mal besonders in seinem Verhalten. Aber auch nicht gänzlich ungewöhnlich. Ob ein Hundesportler das richtige ist… das kann ich nicht sagen ,wage es aber zu bezweifeln. Ist der Hund schon ganzheitlich behandelt worden? Homöopathie? Bachblüten? Tierarzt? Blut untersucht? Schilddrüse? Es gibt so viele Möglichkeiten, warum! er so ist. Ich hoffe nur, er muss jetzt nicht in diesem „Zwinger“ bleiben, bis sich jemand gefunden hat.

  2. Also auf der Meinung der „Hundeexpertin“ würde ich nicht so viel Wert legen. Allein der Umstand, dass sie ihre alte Hündin eingeschläfert hat, nur weil sie keine Treppen mehr steigen kann, spricht Bände!!! Hallo?!? Unsere alte 14 jährige Galgodame muss seit 1/2 Jahr 5 Stockwerke hoch und runter getragen werden, aber ihr Leben ist immer noch lebenswert. Klar muss man sich anpassen und mehr auf ihre Bedürfnisse eingehen, aber deswegen einschläfern??? Diese Frau gibt zu schnell auf und ist offensichtlich nicht bereit Zeit und Mühe zu investieren. Wie soll sie dann eine realistische Beurteilung über einen “schwierigen” Podenco machen können? Mit diesem Hund muss man arbeiten – wahrscheinlich mehr als mit anderen, aber deswegen kann man ihn doch nicht zum Tode verurteilen. Ich wünsche ihm viel Glück und hoffe, dass es sich bald Menschen finden, die genug Verständnis, Zeit und Erfahrung mitbringen, um ihm zu helfen, ein glücklicher Hund zu werden.

  3. Wie furchtbar, einen Hund einzuschläfern nur deshalb weil er vielleicht Probleme hat sich in diese Menschenwelt zu integrieren. Ich habe selbst einen Podenco, den ich nur adoptiert habe, weil er nicht vermittelbar war, eben weil auch sie „schwierig“ ist und nicht nur ein Kuschel Bett Podenco. Ich habe – als Hundeanfängerin – ein wirklich hartes erstes Jahr hinter mir, zahlreiche Trainer kennen gelernt, prominente Trainer, jeder mit einer anderen Meinung und Trainingsmethode. Niemals würde ich meinen Hund einschläfern lassen, es liegt auch immer am MENSCHEN, wie sich das Tier benimmt, auch ein Podenco. Und mit Sicherheit kann ich deshalb sagen, dass diese „Hundeexpertin“ keine Expertin ist, sondern eine bedauernswerte inkompetente Frau ohne wahre Tierliebe und Herz.

  4. ich bin da gleicher meinung wie du. und sogenannte „hundeexperten“ kennt doch jeder – heutzutage nennt sich doch jeder halbschlaue, der im internet halbwissen gelesen hat, experte. ein solcher hund braucht einen erfahrenen halter mit zeit und viel liebe, dann klappt das meistens. ich wünsche ihm nur das beste!

  5. Auf der einen Seite wird auf den „Hundeknast“ geschimpft, wo auch verhaltensgestörte Hunde in Rudeln leben dürfen, wo kein Tier eingeschläfert wird.Auf der anderen Seite wird die Euthanasie eines vermeintlich verhaltensgestörten Tieres bemängelt. Liebe Podefee, warum haben Sie denn das Tier nicht selbst zu sich aufgenommen? Im „Hundeknast“ sind viele verhaltensgestörte, entstellte und für den Rest des Lebens vom Menschen entfremdete Tiere aufgenommen worden – aber das ist ja auch nicht richtig? Meckern über andere, das ist einfach – erst mal 3o Jahre den aktiven Tierschutz tagtäglich hautnah erleben, das ist die andere Seite. Als Privatmensch kann man ja alles hinschmeißen, wenn die „Wildnis“ ruft. Viel Spaß in Lappland, beim Elchfleischessen und beim „Rennen“ mit den Huskys – oder auch bei den Jagden mit Podencos auf Mallorca, wobei die Hasen dann wohl nicht als „Lebewesen“ zählen.
    Doch eine sehr merkwürdige Einstellung, zwiespältig und vielschichtig.

  6. Meine Güte, Frau Knies, sie müssen ein sehr, sehr verbitterter Mensch sein.
    Tut schon arg weh, wenn andere ein Leben haben, für das sie durchaus schwer arbeiten müssen….. der o.g. Podi lebt übrigens immer noch, weil die Podifee sich da sehr für eingesetzt hat.
    So zwischen Job, eigenen Hunden, Pflegehunden und Lappland ……..

    • Auf der Homepage der Tierhilfe Mallorca e. V. wird auf diesen Blog hingewiesen —- nun bin ich hier und entsetzt über die persönlichen Anfeindungen gegen Helga Knies. Von einem Hundeknast zu schreiben ist doch wohl völlig daneben !! Ich war 2x im Tierheim auf Mallorca und konnte mir ein Bild von der vorbildlichen Tierhaltung machen ! Vergleicht es doch bitte mal mit anderen Einrichtingen ! Und wie ??Sie geben ungern Hunde / Podencos heraus ? Ich lebe mit 4 Podencos aus der Tierhilfe Mallorca e. V. und es war jedesmal eine völlig unkomplizierte Vermittlung ! Ich empfinde Achtung vor Helga Knies , die sehr sehr viel vollbracht hat in den letzten 30 Jahren ! Und im übrigen habe ich sie als einen humorvollen und fröhlichen Menschen erlebt , dieses half ihr sicherlich all die Jahre dabei —- GUTE TIERSCHUTZARBEIT —- zu leisten

  7. Liebe „Alex“ ich bin ein lustiger und fröhlicher und kreativer Mensch geblieben, trotz 3o Jahren aktiver Tierschutzarbeit. Wer mich kennt, der weiß, dass ich gut „abschalten“ kann. Ich gönne der lieben FEE ja den Urlaub, hoffe nur, dass sie danach wieder aktiv wird – schon alleine für die Podenco-Szene. Und das war genau meine Befürchtung, einmal Urlaub, dann weg vom Tierschutz. Scheint aber nicht zu sein – also alles Paletti………….man wird ja mal „meckern“ dürfen.

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