Von Frauen und Hunden

Die Eifersucht und der Hass meines Ex-Freundes auf meine Hunde waren in ihrem Ausmaß sicher extrem – aber nicht das erste Mal, dass ich auf Vorbehalte von Männern gegenüber Frauen mit Hunden gestoßen bin. Einer nahm mal an, ich sei bestimmt dominant im Bett; andere schreckte der Zeit- und Vorausplanungsaufwand der Hundehaltung, das unsexy Combat-Gassi-Outfit mit Cargohose und Gummistiefeln, die praktische Kurznagelmaniküre oder die Hundehaare auf dem Sofa; wieder andere wollten ungern Aufmerksamkeit oder Streicheleinheiten teilen oder bemängelten, dass Frau mitten in der Nacht aus dem Bett springt, wenn der Hund kotzt, aber nicht zwingend um 6 Uhr Kaffee für den Liebsten kochen möchte, wenn sie noch ein Stündchen liegen bleiben könnte.

Ein wenig davon kann ich sogar verstehen. Es wundert mich nicht, dass viele Männer verunsichert sind angesichts der schieren Zahl der Frauen mit Hund und dieser offensichtlich unlösbar starken Verbindung. Gefühlt 80 Prozent aller Single-Frauen in meiner Altersklasse, habe ich mir sagen lassen, zeigen in ihrem Tinder-Profil einen Hund, meist gleich auf dem allerersten Bild, und womöglich noch den Hund küssend. Was soll Mann da denken?

„Männer sind ein schlechter Hundeersatz“

ist ein abgewandeltes Zitat von Schauspieler und Mopsfreund Gert Haucke; ursprünglich waren die Männer darin Kinder. Ich habe Haucke einmal damit in einem Hundeforum zitiert – und flog prompt raus wegen vermeintlicher Kinderfeindlichkeit. Dabei ist die Aussage weder kinder- bzw. männerfeindlich gemeint noch falsch, im Gegenteil!

Was ist das zwischen Frauen und Hunden? Welche Rolle spielen die Vierbeiner in ihrem Leben? Ist die Eifersucht auf sie begründet? Und welcher Platz bleibt da für einen Mann?

Natürlich bin ich nicht die Erste, die nach einer Antwort auf diese Frage sucht. Gefunden habe ich dennoch nicht viel an frei verfügbaren Infos. Zum Beispiel konnte ich nicht einmal Zahlen darüber finden, wieviel Prozent der in Deutschland gehaltenen Hunde eigentlich allein lebenden Frauen zuzuordnen sind im Gegensatz zu Paaren, Familien oder Single-Männern: Gefühlt ist es mindestens die Hälfte. Und wenn man dann noch berücksichtigt, wer auch bei den Paaren und Familien zumeist die treibende Kraft hinter der Anschaffung des Hundes ist und ihn im Alltag versorgt und betreut, kommt den Frauen sicher ein noch bedeutend größerer Anteil zu.

Auch Forschung zur Motivation hinter der Hundehaltung, die nach Geschlecht unterscheidet, gibt es offenbar nicht. Eine psychologische Studie der Universität Bonn vor einigen Jahren hat aber zumindest drei Haupttypen von Hundehaltern und damit auch von Hundehalterinnen unterschieden:

  • Typ 1: den prestigeorientierten, vermenschlichenden Hundehalter (22 Prozent der Hundehalter). Damit gemeint sind wohl die wohlhabenden Mütter in Hamburg-Eppendorf, an deren Bugaboo-Kinderwagen die Designerleine mit Mops genauso lässig hängt wie auf der anderen Seite die Louis Vuitton-Handtasche; oder die Influencer*Innen mit Toy-Fiffis im Glitzertäschchen oder – in der männlichen Variante – mit elegantem Begleit-Weimaraner auf der Düsseldorfer Kö. Die lassen wir mal außen vor.
  • Typ 2: den stark auf den Hund fixierten, emotional gebundenen Hundehalter (35 Prozent), dem das Tier Ein und Alles ist, allerdings mit Sachverstand und ohne den Hund so zu vermenschlichen wie Typ 1.
  • Typ 3: den naturverbundenen und sozialen Hundehalter (43 Prozent), der sich sehr aktiv mit dem Tier und seiner artgerechten Haltung beschäftigt und sich freut, über den Hund gleichgesinnte Menschen kennenzulernen.

In meinem Umfeld überschneiden sich Typ 2 und 3, in verschieden starker Ausprägung. Das Spektrum reicht von den echten Outdoor-Mädels, die die Begleitung von Hunden in ihrem Leben und insbesondere auf ihren stundenlangen Wandertouren genießen, ansonsten aber erfreulich pragmatisch-unromantisch mit ihren Vierbeinern umgehen bis hin zu denen, die sich zunehmend den Tieren statt den Menschen und oft auch dem Tierschutz verschrieben haben und in deren Heimen sich meist gleich mehrere behinderte, angstgestörte oder alte Kraut-und-Rüben-Köter in den orthopädischen Betten und Charity-Kringeln stapeln. Ich bin wohl etwas von beidem.

Wie ich auf den Hund kam

Mit Mitte Dreißig, nach etlichen Jobwechseln, Umzügen und Paar-Beziehungen ohne Happy End, begegnete ich einem Mann mit zwei Border Collies – und war spontan verliebt: Rund 25 Jahre nach dem letzten weihnachtlichen Wunschzettel zum Thema war die Sehnsucht nach einem Hund plötzlich wieder da. Die Gründe dafür hätte ich damals gar nicht formulieren können. Heute weiß ich, dass mein erster Hund, der unvergessene BALDUR, genau der Anker war, nach dem ich mich offenbar unbewusst gesehnt hatte – er war mein Fixpunkt und Gegengewicht zu all den oft so wenig beeinflussbaren Wendungen im Leben.

Wenn ich mich heute umhöre in meinem hündischen Umfeld – Frauen mit und ohne Mann, mit und ohne Kinder, gewollt oder ungewollt -, warum sie Hunde haben, ist der Tenor immer ähnlich: Zunächst ganz profan, weil Tiere Freude und Trost und Wärme schenken; uns ablenken und aus unseren Grübeleien und Sorgen zurück ins Hier und Jetzt holen. Weil sie keine Vorbehalte und Erwartungen haben, nicht bewerten (und uns nicht vollquatschen und Ratschläge geben 😉 ), viel Zuwendung geben, aber außer Zuwendung nicht (viel) fordern. Weil wir uns mit ihnen geschätzt, gebraucht und nie allein fühlen. Weil sie unsere Stimmungen und Gefühle auch ohne Worte erspüren und empathisch darauf reagieren – naja, oft zumindest 😎

Hinter all diesen Punkten steckt vor allem eine Eigenschaft: Hunde sind kalkulierbar. Wenn ich nett zu ihnen bin, sind sie es auch zu mir. So oder so stellen sie nicht in Frage, dass wir zusammen gehören – das macht sie verlässlicher als fast alles andere im Leben. Sie sind auch keine Bedrohung für die eigene Autonomie und tun damit gerade Frauen mit ihrem oft so ausgeprägten Hang zur Überanpassung an Mann, Kinder und Co. besonders gut. Selbst wenn es sicher keine bedingungslose Liebe ist, die Hunde für uns empfinden, wie es oft gesagt wird, sondern letztlich doch ein Abhängigkeitsverhältnis: Zwischen Hund und Frau wächst über die Jahre eine ganz stabile und stabilisierende Verbindung. Das hat was von Therapie im Alltag.

Pflicht und Kür

Bis hierher klingt das alles für Männer womöglich noch nicht wahnsinnig ermutigend. Und doch: Sofern Frau es nicht übertreibt und die Vierbeiner nicht dauernd priorisiert, denke ich, sind Hunde eigentlich eine prima Prämisse für eine entspannte(re) Paarbeziehung – nicht nur, weil sie von den 20.000 Worten, die eine Frau am Tag angeblich sprechen muss, einen beträchtlichen Anteil abfangen können 😉 Und womöglich sind dabei Mehrhunde sogar besser als weniger: Meiner Erfahrung nach sind Frauen mit einem ganzen Rudel nicht nur belastbarer und super organisiert, sondern auch cooler und froh, mal was ohne Hund zu unternehmen 😎

Für mich sind Hunde (ebenso wie gute Freunde) jedenfalls heute das Muss, ein Mann die Kür, und das ist ganz sicher keine Abwertung. Dank meiner Hunde bin ich ausgeglichener, weniger bedürftig – das merke ich gerade jetzt in dieser schwierigen Corona-Zeit – und damit potenziell eine bessere Partnerin für die vielen wunderbaren Dinge, die sich immer noch nur mit einem menschlichen Gefährten erleben lassen: Das gegenseitige Verstanden- und Angenommenwerden auf Augenhöhe zum Beispiel. Die geistreichen Gespräche ebenso wie die albernen und das miteinander Lachen. Die Erotik natürlich. Und vor allem das Teilen und Umsetzen gemeinsamer Träume und Pläne. Dafür sind Hunde nämlich so gar kein Männerersatz.

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