Podifee in Gefahr

Trocknet Eure Tränen – Raab war gestern, jetzt kommt die Podifee! 😎

Rafting unter Krokodilen auf dem Zambezi, Mountain Biking auf Boliviens Death Road oder Rope Climbing an peruanischen Urwaldriesen – das war doch alles Kinderkram, heute suche ich den ultimativen Nervenkitzel, mein waghalsigstes Projekt ever ever ever!

Etwas so Gefährliches muss natürlich gut vorbereitet sein; die richtige Ausrüstung ist wesentlich fürs Gelingen. Ist unauffällige Kleidung besser oder doch lieber weithin sichtbare? Sollte ich einen Helm tragen? Und Stahlkappenschuhe? Brauche ich vielleicht sogar eine Waffe – Klappmesser, Stock oder Pfefferspray? Oder doch nur ein messerscharfes Arsenal an Argumenten? Und ganz wichtig: Welche Hunde nehme ich mit? Freiläufer oder lieber Leinengänger? Große oder kleine? Ich neige zu den Großen, sie sollen schließlich Respekt einflößen (wenn sie mich vermutlich schon nicht beschützen werden, Podis halt), aber ich muss natürlich auch an ihre Sicherheit denken. Soo viele Entscheidungen sind zu treffen, die über Wohl oder Weh entscheiden können …

… auf den drei Kilometern von Köln-Worringen nach Langel.

An einem Freitagabend im Juli.

Mitten über den Rheindamm! 😯

Zu Fuß!! 😯 😯

Mit Hunden!!! 😯 😯 😯

Etwas so Unerhörtes hat sicher kein Mensch mehr gewagt, seit im März die Rennradfahrer aus dem Winterschlaf direkt in ihre gelbe Neon-Haut schlüpften. 😈

MISSION IMPOSSIBLE

Kilometer 0.0
Es geht los. Einmal tief durchatmen, dann biege ich vom sicheren Feldweg ab auf den Highway to LangHell. Das Ziel ist klar: Durchhalten bis zum Ende. Überleben in Würde. Ich werde meine Rechte einfordern und mich nicht ungestraft demütigen und aus dem Weg mobben lassen, jawohl. Und idealerweise werde ich dabei nicht mal laut oder handgreiflich.  Tschakka!

Kilometer 0.3
Mein Herzschlag beschleunigt, von vorne nähert sich der erste Angstgegner. Noch kann ich nicht erkennen, ob es sich um einen harmlosen Erholungsradler handelt (Merkmale: Körbchen vorne oder hinten und aufrechte Körperhaltung) oder doch um einen dieser notorisch übellaunigen Hobbyathleten im Hochglanzschlüpfer auf der Jagd nach dem nächsten Streckenrekord.

Kilometer 0.4
Es ist ein Zwitter, die sind besonders schwer einzuschätzen: Sportliches Fahrrad, aber mit Schutzblechen, Beleuchtung und Klingel, Fahrer Mitte 30, Sportdress, aber in dezenter Farbe, kein Helm. Er fährt zügig auf uns zu. Ich nehme meine drei Begleiter kurz, und dann  ….

… dann ist er auch schon an uns vorbei. Grußlos zwar und ohne erkennbares Abbremsen, aber auch ohne garstigen Kommentar. Na sowas!? Ist vermutlich der Vorführeffekt.
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Kilometer 0.5
Jetzt aber!  Ich erkenne eindeutig zwei Rennradler, wieder von vorne. Lieber wäre mir gewesen, sie wären von hinten gekommen; da hätte ich vorgeben können, sie nicht bemerkt zu haben (obwohl mir das Surren der Reifen auf dem Asphalt vermutlich doch in letzter Sekunde einen Hinweis gegeben hätte, wenn schon nicht ihre nicht vorhandene Klingel). Und dann hätte ich sie so richtig auflaufen lassen können. Auf gemischten Rad- und Fußgängerwegen gehe ich nämlich schon aus Prinzip in der Mitte und verteile die Hunde strategisch über die gesamte Wegbreite, damit der Feind gar nicht erst versucht, ungebremst an uns vorbeizurasen, und sich bemerkbar machen muss. Das Risiko daran ist, dass dennoch immer mal einer frei von Sachverstand zwischen Hund und Frauchen hindurchbrettern will (ob er das bei einer Mutter mit Kind genauso wagen würde?) – und dann alsbald an der Flexi zappelt wie ein Fisch an der Angel, nur lauter 😈

Die zwei Rennradler sind schnell unterwegs und schon fast auf unserer Höhe. Meine Hunde schnüffeln gerade gemeinsam auf der anderen Wegesseite – kein Kollisionsrisiko. Schon sind die Zwei an uns vorbei. Ganz ohne Konflikt. Hmm 😐

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Kilometer 0.8
Ein ganzes Rudel radelnder Rentner nimmt Kurs auf uns. Als sie uns sehen, reihen sie sich brav hintereinander ein und nicken freundlich im Vorbeifahren 🙄

Herrgottsakra! So langsam muss doch mal ein Radfahrer mit Aggressionspotenzial auftauchen, das spricht doch gegen jeden Erfahrungswert! Der angestaute Ärger aus vielen Jahren traumatischer Zweiradbegegnungen will endlich raus! Und überhaupt: Wieso kommen die heute alle von vorne? Wurde hier ohne meine Kenntnis ein Einbahnstraßensystem eingeführt?

MEN IN TIGHTS

Während ich so meinen Gedanken nachhänge … klingelt es. Ja, richtig gehört – es klingelt!  Damit habe ich nicht gerechnet. Jetzt aber schnell die Hunde zusammenraffen und rechts ran. Und bloß nicht umdrehen – Radfahrer haben es nämlich gar nicht gern, wenn man wertvolle Zeit und Geschwindigkeit (ihre natürlich) damit vergeudet, sich den Überholwilligen vorher noch genau anzusehen. Das habe ich gelernt, als ich mich vor langer Zeit einmal in einem Rennradlerforum anmeldete, um für mehr gegenseitige Rücksichtnahme zu werben. Nicht sehr erfolgreich allerdings: Die meisten der Männer in Strumpfhosen haben mit Robin Hoods Sinn für die Schwächeren wenig zu schaffen. Sie wähnen sich auf einer Art Autobahn für Motorlose, auf der Fußgänger im Gänsemarsch mit ihrem Hund hintereinander zu laufen haben, wenn sie schon nicht freiwillig aufs offene Feld ausweichen („ist eh schöner für den Hund„) oder am besten ihre Köter ganz abschaffen, die in Ballungsräumen ohnehin nix verloren haben. Ach ja, und Grüßen oder gar „Danke“ sagen für einen zügig geräumten Fahrweg halten sie für eine unangemessene Demutsgeste, die nur in Betracht gezogen wird, wenn ihnen die Sonne mal aus dem After scheint. Bei dem klingelnden Kollegen von hinten ist die anale Wetterlage offenbar gerade günstig: Im Vorbeifahren bedankt er sich höflich.

Kilometer 2.7
So ziehen sich die Kilometer aufregunglos in die Länge. Kurz vor dem Ziel will auch mit Radfahrern Nr. 35 und 36  einfach kein Stress aufkommen 😦  Zwar würdigen uns die meisten keines Wortes, aber ich ernte auch keine wirklich bösen Blicke oder geringschätzigen Bemerkungen über die Verrückte mit den vielen Hunden und erst recht keine der üblichen Unverschämtheiten wie „Nimm Deinen Köter beiseite oder ich fahr ihn um!“

Woran mag das liegen? Ist es der Beginn der Sommerferien, der die Gemüter so entspannt hat? Oder sind meine Hunde bei der Wärme heute zu spurtreu und viel zu schnell aus dem Weg geräumt? Sind drei große Hunde an der Leine noch nicht asozial genug? Hätte ich womöglich doch mein „Nicht nur Glotzen – auch Grüßen„-T-Shirt anziehen sollen? Ich überlege, ob ich gelegentlich einen zweiten Versuch mit erhöhtem Provokationsgrad wagen sollte …

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Mist! Ich bin mal wieder abgeschweift – und habe das ältere Paar auf den grünen Trekkingrädern zu spät bemerkt. PELLEs puscheliges Hinterteil ragt noch minimal über die Mitte des etwa 3 Meter breiten Dammweges hinaus, als die Zwei passieren. Und prompt fliegt sie mir um die Ohren, die erste Beleidigung des Tages: „Du meinst auch, dir gehört der Weg alleine, oder? Dumme Kuh!“

Eine Druckwelle der Erleichterung steigt in mir auf und entlädt sich spontan in einem: „Du mich auch, Arschloch!“  😈

Okay, eine Glanzleistung der Schlagfertigkeit war das nicht, aber sehr befreiend 😀 Mein Weltbild ist wieder im Lot: Radfahrer haben eben doch eine sehr geringe Arschlochschwelle 😎 ! Zufrieden mache ich mich auf den Heimweg, sicherheitshalber auf dem radlerfreien Rheinuferweg …IMG_4961_72dpi

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Ein Gedanke zu “Podifee in Gefahr

  1. Danke für diesen Beitrag- ich habe mich bestens amüsiert. Obwohl ich keinen Grund dafür habe. Eher einen zum Weinen!? Mit mittlerweile zwei Kindern und (nur noch) zwei Hunden existiere ich am äußersten Rand der (Fahrrad-fahrenden)-Gesellschaft. Denn in dieser Kombination und vorwiegend ohne männliche Begleitung spazierend bin ich quasi vogelfrei. -Zumindest aus Sicht der Angstgegner….

    ….idealerweise Samstagvormittag….

    …entlang der Ruhr…

    …bei Nieselregen….

    …du hattest einfach nur Glück… 😉

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