Information Overload? Filter Failure!

Gleich zwei meiner mittelguten „Freunde“ auf Facebook haben vor einigen Tagen virtuellen Selbstmord begangen. Zuerst dachte ich natürlich, sie hätten nur mich geblockt, und grub tief in meinem Gewissen nach meiner Schuld. Dort fand ich aber nichts, fragte – auf anderem Kanal – nach und erfuhr, dass sie einfach nur des Facebook-Lebens überdrüssig waren. Zu viele schreckliche Nachrichten vor allem aus der Tierschutz-Szene, zu viele Nachrichten überhaupt, und zu wenig Zeit.

Ich kann das nicht recht nachvollziehen. Nachrichten – in all ihrer ungefilterten Vielfalt – sind ja per se nichts Schlechtes, im Gegenteil. Okay, auf Facebook flattern sie „ungefragt“ ins Haus äh auf die Pinnwand, sobald man einmal jemanden oder eine Seite abonniert/befreundet hat, und das kann viel werden, viel Elend vor allem, wenn man mit Hundemenschen befreundet ist 😉 . Aber hier wie im Netz insgesamt und im richtigen Leben liegt es doch allein an mir, die Absender wie die News zu bewerten und ggf. aus meinem Sichtfeld zu verbannen (insbesondere wenn sie in ihrer Intensität mein Seelenheil gefährden). Wenn mich drei Ausgaben der Zeitschrift, die ich mal abonniert habe, nicht interessieren oder ich keine Zeit mehr dafür habe, kündige ich dieses eine Abo – aber doch nicht die komplette Postzustellung! Aus Überforderung gleich mich selbst, also meine eigene virtuelle Existenz in dieser Abbildung des Lebens namens Facebook, zu eliminieren und vom Rest der Welt abzuschneiden … ist zumindest eine sonderbare Reaktion.

Ich finde die digitalen Medien und ihre Möglichkeiten jedenfalls wunderbar und Facebook eine geniale Einrichtung, und ich frage mich, warum das Netz nicht noch viel früher für diese private Art der Vernetzung genutzt wurde. Nie war es einfacher für mich, alte Freunde wiederzufinden und mit ihnen – so lose oder eng, wie wir beide es wollen – in Kontakt zu bleiben. Nie war es einfacher, Menschen in aller Welt über gemeinsame Interessen zuerst virtuell, aber danach auch persönlich kennenzulernen – wie z.B. als ich 2012 einen indischen Windhundzüchter besuchte, mit dem ich über Facebook noch immer regelmäßig in Kontakt bin.

Karben's

Nie war es einfacher für mich, im Auge zu behalten, ob es meinen tierischen Schützlingen in ihren Familien gut geht (schon drei Monate kein Hundefoto mehr gepostet? Da hake ich doch mal nach 😉 );  etliche fanden sogar auf diesem Weg ihr neues Zuhause. Nie war es einfacher für mich, den Überblick über die Ereignisse auch in meinem eigenen Leben zu behalten. Facebook, und auch dieses Blog, sind mein Tagebuch der Neuzeit. Warum sollte ich diese Schatzkiste von Kontakten und Infos komplett wegwerfen wollen, auch wenn mir phasenweise die Lust daran oder die Zeit dafür fehlt (so wie für diese Seite in den vergangenen Wochen)?

FB Odile
Meine ODILE hat eine eigene Facebook-Seite und fast 500 Fans

Was genau ich – im Netz wie privat – mit anderen teile, bleibt ja mir überlassen. Ebenso, wie viel Zeit ich tatsächlich in der digitalen Welt verbringe, wessen Freundschaft ich suche oder annehme (vorzugsweise von Menschen mit Podenco im Avatar 😉 ), welche „Nachrichten“ ich mir tatsächlich ansehe oder inhaltlich an mich herankommen lasse und womöglich sogar like, weiter verbreite oder kommentiere.

Gestern schrieb eine Freundin im Ernährungs-Kontext, wir müssten wieder lernen zu verzichten; die ständige Verfügbarkeit und der Anspruch darauf öffne Rücksichtslosigkeit, Ausbeutung und Geschäftemacherei Tür und Tor. Stimmt! Die Frage ist, auf was und auf wie viel ich verzichte. Totaler Hungerstreik ist jedenfalls der falsche Weg zur Gesundung.

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