Heras Reise

Dass mein NEPOMUK ein begnadeter Dieb ist, vorzugsweise von Brot, hat mich schon einige Mahlzeiten gekostet.


Auch dass er ein gutes Gedächtnis hat, war mir bekannt. Mit dieser Verknüpfung seiner Talente hatte ich aber nun wirklich nicht gerechnet, als er neulich am Rhein für einen Augenblick aus meinem Blickfeld verschwand …

Wir leben nur ca. 800 m von den weitläufigen Rheinauen entfernt, wo ich ihn immer gut frei laufen lassen konnte. Ich wähnte ihn also irgendwo am Ufer, nach Mäusen buddelnd, wie üblich, konnte ihn aber nicht finden. Es vergingen einige Minuten, aber besorgt war ich noch immer nicht: Es gibt dort nichts zu jagen, und von der Landzunge führt nur ein einziger, uninteressanter Pfad über eine Brücke zurück zur Rheinuferstraße und nach Hause. Dachte ich. Bis ich NEPOMUK von genau dieser Brücke auf mich zu laufen sah, mit etwas Großem, Flauschigem im Maul! Mein erster Gedanke: Oh Gott, er hat eine Gans aus dem Rheinarm geholt! Aber so blöd sind die eigentlich nicht, und üblicherweise auch nicht einfarbig grau!?

Erst als er HERA stolz und lehrbuchgemäß vor mir absetzte, erkannte ich das schöne Cochin-Huhn mit den puscheligen Füßen. Ein Huhn? Am Rhein??

Viel Zeit darüber nachzudenken, wo er denn am Rhein ein Huhn aufgeschnappt haben könnte, blieb mir jedoch nicht: Ich hatte ja noch ein paar andere, an HERA überaus interessierte Podencos dabei, die es zu bändigen galt. Außerdem setzte HERA an, die Chance zur Flucht zu ergreifen – was NEPOMUK zum Nachfassen veranlasste. Zuhülf!

Mein Hilferuf wurde erhört: Aus derselben Richtung wie zuvor NEPOMUK fuhr nun ein junger Mann auf einem Hollandrad in hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Es stellte sich heraus: Er hatte im Garten seines Hauses gesessen – etliche Hundert Meter entfernt und gar nicht mal direkt auf unserem Weg zum Rhein gelegen -, als NEPOMUK über den niedrigen Gartenzaun gesprungen kam, das Huhn griff und damit verschwand. Geistesgegenwärtig hatte er sich aufs Rad geschwungen und die Verfolgung aufgenommen.

Warum ich das erzähle? Weniger wegen des Unterhaltungswertes. Sondern weil ich auch nach 15 Jahren extensiver Podencohaltung immer noch dazu lerne! Dass ein Podenco Jagdtrieb hat, ist klar; auch, dass er noch lange schwer nervös bleibt beim Passieren des Baums, an dem vor Tagen ein Eichhörnchen lockte. Aber dass er, wenn’s ihm zu langweilig wird, sich plötzlich daran erinnert, wo er vor einer Stunde weit entfernt etwas latent gewittert hat und dann zielgerichtet zurückläuft -, das war mir neu und hat mich schwer beeindruckt.

NEPOMUK hat von diesem Eindruck allerdings wenig: Der Hühnerdieb bleibt nun wieder an der Leine.

P.S. HERA hat auf ihrem Kurztrip zwar ein paar Federn lassen müssen, ist aber wohlauf!

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